Kaiser Wilhelm Museum Krefeld

Architekt Hugo Koch
Standort Joseph-Beuys-Platz 1, 47798 Krefeld
Erbaut 1894 - 97
Bauherr Stadt Krefeld
Nutzer Kaiser Wilhelm Museum
Bauzeit 2012 - 16
Bruttogeschossfläche 7.500 m²

Das Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld wurde 1894-97 nach den Plänen von Hugo Koch erbaut und 1910-12 erweitert. Es wurde in Anlehnung an die italienische Renaissancearchitektur entworfen und war neben seiner Funktion als Ausstellungshaus zeitgenössischer Kunst zugleich Denkmal für den preußischen Kaiser Wilhelm I. Ende der 1960er Jahre sollte mit einem Umbau des Museums eine Abwendung vom preußischen Pathos stattfinden, stattdessen wollte man mit dem Gebäude die bürgerlich-demokratische Gesellschaft widerspiegeln. Obgleich die Freitreppe zum Haupteingang am Westwall in den 1980er Jahren entfernt wurde und sich das Museum dadurch nicht mehr auf seinem ursprünglichen Sockel befand, blieb der Bau in seiner äußeren Erscheinung weitestgehend erhalten. Im Inneren entstanden moderne, funktionale Räume, deren originale Kassettendecken durch Abhangdecken verkleidet wurden. Diese neue, helle Atmosphäre entsprach somit den Ansprüchen an die Präsentation der Modernen Kunst.

2012-16 wurde das Kaiser Wilhelm Museum denkmalgerecht saniert und modernisiert. Die mit dem letzten Umbau veränderte Erschließungs- und Raumstruktur wurde rückgebaut, um eine neue und barrierefreie Erreichbarkeit aller Ebenen und Räume des Gebäudeinneren zu ermöglichen. Mit der neuen Doppeltreppe in der Eingangsachse, deren Betonkorpus sich auf zwei Seiten spiegelbildlich nach oben windet, öffnet sich das Museum wieder außenwirksam zur Stadt. Die in jedem Raum unterschiedlichen Deckenausbildungen wurden freigelegt und restauriert. Zudem wurden Enfiladen und neue Sichtachsen geschaffen, die die ursprüngliche Qualität der Strukturen wieder erfahrbar machen und die Neugier des Besuchers auf die folgenden Ausstellungssäle steigern. Um weitere Flächen für Bibliothek und Verwaltungsräume zu schaffen und die Raumproportionen im Gebäude zu optimieren, wurde das Dach über dem Nordflügel angehoben. Durch diesen Platzgewinn stehen im Erdgeschoss erweiterte Räumlichkeiten für die Museumspädagogik zur Verfügung. Des Weiteren wurde der Treppenlauf, der vom Foyer in das erste Obergeschoss führte, entfernt; an seiner Stelle befindet sich nun ein moderner Kassenbereich, der die Besucher empfängt. Die hohen Anforderungen an ein konstantes, museales Raumklima für den nachhaltigen Schutz der ausgestellten Kulturgüter wurden mit einer dezentralen Klimatisierung umgesetzt. Diese innovative Technik ermöglicht vergleichsweise geringe Eingriffe in die Bausubstanz und beansprucht insgesamt wenig Platz für die zentrale Luftaufbereitung und Steuerung, so dass neue Flächen für die musealen Nutzungen generiert werden konnten. Zudem wurden die Lichtdecken in den Ausstellungsräumen des 2. Obergeschosses denkmalgerecht wiederhergestellt und sorgen heute für helle Räume. Spezielle in der Dachfläche eingesetzte lichtstreuende Isoliergläser bewirken eine maximale Tageslichtausbeute ohne direkte Sonneneinstrahlung und vermeiden gleichzeitig einen störenden Wärmeeintrag.

Mit der Sanierung ist es gelungen, die historische Substanz des Gebäudes freizulegen und seinen bürgerlichen Charakter zu bewahren. Die Gestaltung, die sich von der Vielschichtigkeit des Museums ableitet, verleiht dem Gebäude eine neue Definition und transformiert es ins 21. Jahrhundert. Dank seiner großzügigen, lichtdurchfluteten Räume und hochmodernen Techniken stellt das Kaiser Wilhelm Museum nach vierjähriger Schließzeit wieder einen wichtigen Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst dar.