Scharoun-Theater Wolfsburg

Architekt Hans Scharoun
Standort Klieverhagen 50, 38440 Wolfsburg
Erbaut 1969 - 73
Bauherr Stadt Wolfsburg
Nutzer Theater der Stadt Wolfsburg GmbH
Bauzeit 2011 - 16
Bruttogeschossfläche 14.657 m²

Das Theater der Stadt Wolfsburg zählt zum Spätwerk des Architekten Hans Scharoun, einem der bedeutendsten Vertreter der organischen Architektur, und ist sein einziger realisierter Theaterbau. Die Stadt Wolfsburg suchte aufgrund ihrer belasteten Vergangenheit einen architektonischen Neuanfang im Geist der Moderne und lobte für den Bau des Stadttheaters 1965 einen internationalen Architekturwettbewerb aus, bei dem sich Scharoun mit seinem Entwurf einer „Stadtkrone“ auf dem Klieversberg als Sieger durchsetzte. Der außerhalb des Zentrums gelegene Bau kann sich als Teil der Stadt behaupten. Dabei steht jedoch nicht das Gebäude im Vordergrund, vielmehr ordnet es sich in seiner freien, organischen Form der Funktion als Theater sowie seinen Besuchern unter. 1969 wurde mit dem Bau begonnen, das Theater wurde erst nach dem Tod des Architekten 1972 fertiggestellt und 1973 feierlich eröffnet. Seit 1984 wird es in der Liste der Kulturdenkmale der Stadt Wolfsburg geführt.

Nach 40 Jahren der Nutzung musste das Theater an einen zeitgemäßen Bühnenbetrieb angepasst werden und wurde 2014-16 in 18 Monaten saniert. In Abstimmung mit der Denkmalpflege wurde dabei größter Wert auf den Erhalt der Authentizität des noch weitgehend im Originalzustand erhaltenen Theaters gelegt. Neben der energetischen Optimierung mussten aktuelle Auflagen des Brandschutzes und der Sicherheitstechnik erfüllt werden. Die erforderlichen Dämmmaßnahmen wurden auf den Dachflächen, im Bereich der Attika und der Verglasungen sowie dem erneuerten Sockelbereich vorgenommen. Die Fassaden konnten so in ihrem bauzeitlichen Aufbau belassen und der Energieverbrauch um rund 40 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig erfolgten eine Erneuerung der Bühnentechnik sowie die Schaffung von Erweiterungsflächen für einen zeitgemäßen Theaterbetrieb, die behutsam der „gewachsenen“ Struktur des Theaters hinzugefügt und der stadtabgewandten Seite in die Topografie eingefügt wurden. Die Kasse im Eingangsbereich wurde neu gestaltet. Die Oberflächen der Räumlichkeiten wurden überarbeitet oder gereinigt, so dass Farbflächen und Eschenholzverkleidung ihre ursprüngliche Ausstrahlung zurückerhielten. Das bauzeitliche Konzept der Raumbelüftung wurde, unter Beibehaltung des Grundprinzips der Zuluftführung über die Rückenlehnen, optimiert. Oberflächen und Farben, Materialien und Proportionen stellten bei den Sanierungsmaßnahmen die wesentlichen Gestaltungsmerkmale dar.

Der kristalline und allseitig erlebbare Baukörper, dessen Brillanz durch die Sanierung von Neuem sichtbar geworden ist, stellt für die Bewohner wieder einen Teil des Stadtbilds dar. Landschaft und Topografie des Umfeldes erfuhren mit der Landschaftsplanung eine sichtbare Aufwertung. Mit der umfassenden Modernisierung der Bühnentechnik und einem höheren Komfort für die Besucher konnte die Zukunftsfähigkeit des Theaters unter Bewahrung seiner Authentizität gesichert werden. Für den Betrachter sind die Veränderungen gegenüber dem Originalzustand kaum wahrnehmbar.