„Glas-Hoffmann“-Bauten Siedlung Schillerpark

Architekt Hans Hoffmann
Standort Corker Straße 26/30, 32a-c, 34a-c, 13349 Berlin;
Holländerstraße 80-84, 13407 Berlin
Erbaut 1955 - 59
Bauherr Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 eG
Nutzer Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 eG
Bauzeit 2009 - 11
Auszeichnungen Deutscher Bauherrenpreis 2013 für „Energetische Modernisierung“; Sonderpreis Deutsche Stiftung Denkmalschutz für „Denkmalschutz im Wohnungsbau“

Zwischen 1955 und 1959 ließ der Architekt Hans Hoffmann in unmittelbarer Nachbarschaft zu Bruno Tauts Siedlung Schillerpark fünf Wohnbauten mit gartenseitigen Fassaden aus geschosshoch verglasten Blumenfenstern bauen. Hoffmann erweiterte damit das städtebauliche Gestaltungskonzept Tauts, indem er die offene Blockrandbebauung mit ihren lichten Wohnungen und dem Spiel zwischen Innen- und Außenraum wieder aufgriff. Durch die begehbaren Blumenfenster, denen Hoffmann seinen späteren Namen „Glas-Hoffmann“ verdankte, entstand nicht nur ein neues Wohngefühl; gleichzeitig waren sie zentraler Bestandteil eines innovativen energetischen Konzepts, da sie als Wintergärten sowohl die Funktion eines Klimapuffers innehaben als auch zur passiven Sonnenenergiegewinnung beitragen. Überdies ermöglichen sie die Positionierung der Heizkörper in die Tiefe der Räume. In ihrer funktionalen Ästhetik gelten die „Glas-Hoffmann“-Bauten als bedeutendes Zeugnis der Berliner Nachkriegsmoderne. Sie liegen heute in der Pufferzone der UNESCO-Welterbestätte Siedlung Schillerpark.

Bei der erforderlichen energetischen Sanierung der Gebäudehülle wurde besonderer Wert auf die Wahrung der charakteristischen Blumenfenster gelegt. Die Wohnungsgenossenschaft hat ihre bauphysikalischen und klimatischen Vorzüge erkannt, die von der TU Dresden und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in dem Forschungsprojekt „Denkmal und Energie – Nachkriegsmoderne“ wissenschaftlich nachgewiesen und gefördert wurden. Mit möglichst schmalen Holzrahmenprofilen und dem Versetzen der Fenster in die Dämmebene wurden die ursprüngliche Proportionen und Lage der Fensterelemente beibehalten. Die sehr filigran ausgeführten bauzeitlichen Treppenhausfenster erhielten eine neue Sparisolierverglasung und konnten mit minimalen statisch wirksamen Verstärkungen ebenfalls bewahrt werden. Die historischen Materialoberflächen und Farbigkeiten der Gebäude wurden denkmalgerecht nach Befund wiederhergestellt, wobei auf den Eingangs- und Balkonseiten der Gebäude unterschiedliche Dämmmaterialien zum Einsatz kamen.

Durch die energetische und denkmalgerechte Sanierung bieten die „Glas-Hoffmann“-Bauten ihren Bewohnern ein attraktives und zeitgemäßes Wohnumfeld. Die Nachkriegsarchitektur des Gebäudes konnte unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Randbedingungen langfristig gesichert werden. Alle durchgeführten Maßnahmen tragen erheblich zur Verbesserung der Energieeffizienz der Gebäude bei, so dass der Jahresprimärenergiebedarf heute dem Wert eines vergleichbaren Neubaus entspricht.