Schloss Pfaueninsel

Architekt Michael Philipp Boumann, Johann Gottlieb Brendel
Standort Nikolskoer Weg, 14109 Berlin
Erbaut 1794-1797
Bauherr Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Nutzer Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Bauzeit 2018 - 2025
Nutzfläche 422 m²

Nach sieben Jahren Planungs- und Bauzeit ist die Sanierung des UNESCO-Weltkulturerbes Schloss auf der Pfaueninsel abgeschlossen. Die Instandsetzung der Gebäudehülle verband denkmalpflegerische Anforderungen mit bauphysikalischen und konstruktiven Lösungen. Umfangreiche Bestandsuntersuchungen, historische Archivalien und eine 1:1-Bemusterung der Fassade bildeten die Grundlage für die Planung. Gleichzeitig stellten die Insellage, der Artenschutz und der Schutz des nahezu unverändert erhaltenen Interieurs besondere Anforderungen an die Bauausführung. Seit Mai 2025 ist das Schloss wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet.

Das seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Schloss auf der Pfaueninsel ist ein mit Holz verkleideter Fachwerkbau. Es wurde Ende des 18. Jahrhunderts in erstaunlich kurzer Zeit nach Plänen von Michael Philipp Boumann durch den Hofzimmermeister Johann Gottlieb Brendel als romantische Ruinenarchitektur errichtet. König Friedrich Wilhelm II. war inspiriert von Berichten über die neu entdeckte Südseeinsel Tahiti, und ließ mit dem „Otaheitischen Kabinett“ die Südsee-Exotik ins Schloss holen.

Seit 2018 war das Büro Brenne Architekten als Teil einer mit den Restauratoren Schwieger Raue gegründeten Arbeitsgemeinschaft mit der Sanierung der Gebäudehülle betraut. Teil des Teams waren auch Fachplanerinnen und Fachplanern sowie freiberuflichen Expertinnen und Experten unterschiedlichster Disziplinen. Für die Restauration verantwortlich waren Dana Freiberg (Metallrestaurierung), Sven Taubert (Holzrestaurierung) und Anke Weidner (Textilrestaurierung). Die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten machte die komplexe Maßnahme erst möglich. Das Bauwerk wurde untersucht vom Keller bis zum Dach, der Bestand dokumentiert, die Schadensursachen analysiert. Die Schadensbilder waren vielfältig: eindringende Feuchtigkeit im Keller sowie durch die undichte Dachhaut aus Zinkblech, Holzfäulnis, Pilz- und Insektenbefall an den tragenden Hölzern der Fachwerkaußenwände, Witterungsschäden an den Fenstern, Risse im Treppenturm und Korrosionsschäden an der Eisengussbrücke zwischen den Türmen.

In interdisziplinären Workshops und themenspezifischen Abstimmungen entwickelte sich die anfängliche Leitlinie zu einem umfassenden, denkmalpflegerischen Gesamtkonzept für die Instandsetzung und Restaurierung mit klar definierten Planungszielen. Das Landesdenkmalamt Berlin war kontinuierlich in die Planung eingebunden, die Aufgaben der Unteren Denkmalschutzbehörde übernahm die SPSG selbst.

Grundlage der Sanierung bildete die Sichtung, Erschließung und Bewertung einer rund 100 Gigabyte umfassenden Sammlung historischer Archivalien. Ergänzend erfolgten detaillierte Bestandsuntersuchungen. Bereits im Vorfeld wurde ein Teilbereich der Fassade von 1976 geöffnet, um ein präzises Aufmaß sowie eine Schadensanalyse zu ermöglichen. Dabei traten erhebliche, baukonstruktive Schäden und Asbestfasern in der damaligen, besandelten, weißen Kunstharzfarbe zutage. Eine Weiterverwendung und Reparatur der stark kontaminierten Fassade war damit ausgeschlossen, da das geltende Regelwerk Arbeiten an asbesthaltigen Konstruktionen nicht zulässt.

Vor diesem Hintergrund musste eine neue denkmalpflegerische Strategie entwickelt werden. In den mehr als 180 Jahren zwischen der Errichtung und letzter Sanierung 1976 waren insgesamt sechs konstruktiv unterschiedliche Fassadenvarianten entstanden. Wiederkehrende Undichtigkeiten und Holzschäden hatten stets neue Lösungen erforderlich gemacht. Für die aktuelle Sanierung wurde schließlich die am umfassendsten dokumentierte Variante von 1976 gewählt, die sich ihrerseits an der bauzeitliche Erstfassung orientierte.

Leitgedanke der Maßnahme war die Bewahrung der charakteristischen Erscheinung des Schlosses bei gleichzeitiger bauphysikalisch und konstruktiv nachhaltiger Ausführung der Gebäudehülle. Ziel war es, die fragile historische Innenausstattung dauerhaft zu schützen und eine möglichst wartungsarme Lösung zu entwickeln. Wie bereits zur Bauzeit und den 1970er Jahren sollte eine Holzkonstruktion den Eindruck eines massiv errichteten Putzbaus vermitteln.

Im Jahr 2019 wurde vor dem Schloss eine 9 m² große Musterstellage von der Fassade im Maßstab 1:1 errichtet. Über anderthalb Jahre hinweg konnten dort verschiedene Holzarten und Beschichtungssysteme unter realen Witterungsbedingungen getestet werden. Vier Holzarten wurden jeweils mit vier unterschiedlichen Beschichtungen kombiniert. Nur eine Holz-Farb-Kombinationen blieb frei von Rissbildung und Algenbewuchs. Die Wahl fiel auf ein patentiertes, mit Essig behandeltes, schnell wachsendes Nadelholz mit reduzierter Feuchtigkeitsaufnahme und erhöhter Widerstandsfähigkeit gegenüber Pilzen und Schadinsekten – ganz ohne zusätzliche Holzschutzmittel. Als Beschichtung überzeugte eine Ölfarbe mit Zinkweiß-Anteil, die Algenbildung wirksam reduziert, ohne das Grundwasser zu belasten. Im sensiblen Flora-Fauna-Habitat der Pfaueninsel war dies ein entscheidender Vorteil. Das klare Ergebnis bestätigte den hohen Aufwand der 1:1 Bemusterung.

Parallel dazu begann die bauliche Umsetzung. Schon die Baustelleneinrichtung stellte eine logistische Herausforderung dar: Die Pfaueninsel ist ausschließlich per Fähre erreichbar, was Transport und Materialversorgung erheblich einschränkte. Besonders betroffen waren Gewerke, die auf LKW-, oder Großmaschinen angewiesen sind. Die begrenzte Ladekapazität der Fähre sowie die naturschutzbedingten Flächenrestriktionen rund um das Schloss erforderten ein hohes Maß an Organisation und Improvisation – etwa die Einrichtung einer Werkstattfläche im ersten Obergeschoss des Gerüstes über der Feuerwehrzufahrt. Das gewaltige, freistehende Gerüst stand auf eng begrenztem Raum nahe dem südwestlichen Havelufer, ohne am Schlossbau verankert zu sein.

In der baulichen Umsetzung konnten konstruktive Details gegenüber der Ausführung der 1970er Jahre deutlich verbesset werden. Besondere Herausforderungen stellten die gestaltprägenden Fenster und ihre Anschlüsse an die Holzfassade dar. Diese mussten sowohl optisch überzeugend als auch bauphysikalisch dauerhaft gelöst werden. Denn trotz der holzbaulichen Konstruktion sollte die Gebäudehülle weiterhin den Eindruck eines aus Natursteinquadern errichteten Massivbaus vermitteln. Um diese Wirkung zu erzielen, wurde die flächig erscheinende Verbretterung um eine leicht hervortretende Fasche im Bereich der Fenster ergänzt – ohne dabei die kontrollierte Wasserableitung zu beeinträchtigen. Die Umsetzung war nur dank heute verfügbarer Technologien und Werkzeuge möglich: Die erforderlichen Holz Fräsungen wurden vor Ort mithilfe von Schablonen und mobilen Fräsmaschinen präzise ausgeführt.

Dem Artenschutz kam sowohl in der Planung als auch in der Bauausführung große Bedeutung zu. Trotz frühzeitiger Berücksichtigung des Naturschutzes waren immer wieder kurzfristige Anpassungen erforderlich: Spatzennester in Hohlräumen der geschädigten 1976er-Fassade schränkten vorbereitende Untersuchungen ein, angrenzende Trockenrasenflächen reduzierten die Baustelleneinrichtungsfläche, und Fledermäuse nutzten nicht immer die vorgesehenen Ersatzquartiere. Die Bauarbeiten mussten daher mehrfach angepasst und zeitweise eingeschränkt werden.

Besondere Sorgfalt galt auch dem nahezu unverändert erhaltenen Interieur von 1795 – eine Besonderheit innerhalb der Berlin-Brandenburgischen Kulturlandschaft. Während das bewegliche Kunstgut ausgelagert wurde, verblieb die ortsfeste Ausstattung im Gebäude. Bedruckte Textil- und Papiertapeten, Holzvertäfelungen und Parkettfußböden mussten insbesondere beim Rückbau der äußeren Holzverschalung sorgfältig geschützt werden. Kein Staubkorn durfte in das Innere gelangen – eine Unterdruckanlage im Zwischenraum zwischen Fassade und Gerüstplane verhinderte das Eindringen von Partikeln.

Nach Abschluss der Fassadenarbeiten wurden die handwerklich und künstlerisch hochwertigen Oberflächen der Innenräume konserviert, bevor die restaurierte mobile Ausstattung an ihren ursprünglichen Ort zurückkehrte.

Nach sieben Jahren Planungs- und Bauzeit empfängt das Schloss auf der Pfaueninsel seit Mai 2025 wieder Besucherinnen und Besucher. Zur Wiedereröffnung lud die SPSG zu einem „Inselsonntag“ ein. Das sanierte Lustschloss, die restaurierte, frühklassizistische Inneneinrichtung und nicht zuletzt die Pfauen selbst machen den besonderen Reiz dieses einzigartigen Ortes erneut erlebbar.