Karl-Krull-Grundschule in Steinhagen
Architekt R.A. Schwanz; H. Berneike
Standort Schulstraße 2, 18442 Steinhagen
Erbaut 1962-63
Bauherr Gemeinde Steinhagen Amt Niepars
Nutzer Grundschule Steinhagen
Bauzeit 03/2021-08/2023
Bruttogeschossfläche 1.900 m2 / 2.115 m2
Beteiligte mrschmidt Architekten GmbH & Brenne Architekten GmbH, Marika Schmidt, Fabian Brenne, Winfried Brenne, Ewa Kozlowska, Jonathan Bock, Rafael Heine, Fabian Josef Kaesler u.a; Pichler Ingenieure GmbH, Berlin; Sven Kleiber Ingenieurbüro für Gebäudetechnik, Ribnitz; IBE Mahnke & Schaarschmidt GbR, Rostock; Hahn Hertling von Hantelmann Landschaftsarchitekten GmbH; Steffen Slama, Brand- und Explosionsschutz, Lübeck; ISRW Klapdor GmbH, Berlin
Die Karl-Krull-Grundschule im ländlichen Steinhagen wurde zu DDR-Zeiten 1963 als Prototyp des neuen Schulbaus errichtet. Das Schulhaus ist das einzige Erhaltene seiner Art im Gebiet der ehemaligen DDR und damit eines der wenigen Beispiele von Architektur aus dieser Zeit, die an westlich-internationale Bautendenzen und die Tradition des Bauhauses anzuknüpfen versucht.
Die Karl-Krull-Grundschule ist ein Pavillonbau, bei dem einzelne Baukörper nach einem modularen Prinzip so angeordnet sind, dass die Funktionsbereiche in der Tradition des Bauhauses deutlich voneinander unterscheidbar sind. Entlang des ringförmigen Umgangs sind die Klassen- und Nebenräume so platziert, dass drei identisch große Innenhöfe umschlossen werden. Durch die grünen Innenhöfe liegt dem eingeschossigen Gebäudekomplex die geometrische Grundform eines Rechtecks zugrunde. Die Konstruktion selbst besteht aus Stahlbeton-Stützen, -Trägern und -Flachdecken, vorgemauerten Porenbeton-Wänden und dicken Betonfaschen, welche die Fenster, Türen und Oberlichter rahmen.
Die dreiseitig geschlossenen Innenhöfe können für den Unterricht im Freien genutzt werden, so wird der umlaufende Flur zum Verbinder von Innen- und Außenraum. Im nördlichen Hof ist die bauzeitliche, landschaftsgärtnerische Gestaltung erhalten. Nach Osten und Westen sind an den umlaufenden Flur je drei Klassenräume kammartig angesetzt, so dass der Gebäudekomplex sich auch hier mit dem Außenraum verzahnt. Das Gebäude wirkt durch seine angenehmen Proportionen und Lichtverhältnisse und das großzügig erscheinende Raumangebot feingliedrig, architektonisch hochwertig und modern.
Über die Jahrzehnte änderten sich die Raumbedarfe und Ansprüche an Raumgrößen und -zuschnitten in der Schule. Demgegenüber stehen die langfristige Nutzung und der dauerhafte Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes. Zur Sicherung des Denkmals und des Schulstandorts in Steinhagen wurden entsprechende Maßnahmen geplant und umgesetzt. Mit der Sanierung sollten die tektonische und typologisch robuste Ästehtik des Bauwerks bewahrt und die in den vergangenen 25 Jahren entstandenen Überformungen korrigiert werden. Gleichzeitig war es Ziel, das Gebäude für zeitgemäße Lernformen nutzbar zu machen und sein Programm behutsam zu erweitern.
Innerhalb des räumlich modularen Prinzips wurde das Gebäude an unterschiedlichen Stellen mit kleineren Eingriffen denkmalgerecht fortgeschrieben, um im Innern mehr Platz zu schaffen, also nach innen zu verdichten und weitere Varianten der vorhandenen Typologie aufzuzeigen.
Die Schule wurde um Gemeinschaftsflächen wie Cafeteria, Mehrzweckraum und Bibliothek erweitert, die Terrasse in die Gemeinschaftsflächen mit einbezogen. Unterrichtsräume wurden mit Gruppenräumen, Förderräumen und Bereichen für individuelles Lernen und Lernen in Kleingruppen ergänzt. Ein Kunst-/Werkraum und ein Sachkundekabinett wurden eingerichtet, die vorhandenen Verwaltungs- und Sanitärflächen an heutige Standards angeglichen. Die Kolonnaden im südlichen Innenhof wurden wiederhergestellt. Das Gebäude wurde insgesamt gestalterisch, energetisch und bautechnisch saniert.
Der ausgewogene, klar strukturierte Schulkomplex mit streng symmetrischem Aufbau und bewusster Einbindung des Außenraums erhält durch das sichtbare tektonische Fügen der eingeschossigen Bauteile ein ungewöhnliches Erscheinungsbild. Mit der Sanierung gewinnen Lehrkräfte und Schülerschaft ein Schulgebäude, das modernen Anforderungen gerecht wird und zugleich seine – gerade in ländlicher Umgebung seltene – architektonische Qualität eindrucksvoll zur Geltung bringt.









