Schloss Cecilienhof

Architekt Paul Schultze-Naumburg
Standort Im Neuen Garten, 14469 Potsdam
Erbaut 1913 - 17
Bauherr Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Nutzer Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Bauzeit 2013 - 18
Bruttogeschossfläche 7.500 m²; Dachfläche: 7.000 m²; Fassadenfläche: 4.000 m²

Zwischen 1913 und 1917 entstand im Neuen Garten in Potsdam das Schloss Cecilienhof, das Kaiser Wilhelm II. als Wohnsitz des preußischen Kronprinzenpaares errichten ließ. Der Architekt Paul Schultze-Naumburg plante ein Schloss im englischen Tudor-Stil. Im Gegensatz zu den kleinteiligen, englischen Landgütern realisierte man für den höfischen Betrieb einen weitläufigen Baukörper, der um fünf Innenhöfe angelegt wurde. Er zeichnet sich durch die prägnante Dachlandschaft mit 39 unterschiedlichen Schornsteinen bzw. Schornsteingruppen, Naturstein, Sichtmauerwerk, sowie Eichenholz-Fachwerk aus. Dabei wählte der Architekt die Materialien und deren Verarbeitung mit dem Ziel aus, eine alternde und patinierende Fassadenoberfläche herzustellen.

Nach Auszug der Kronprinzessin Cecilie im Februar 1945 erlangte das Schloss weltweite Bedeutung, als nach dem Zweiten Weltkrieg hier die Potsdamer Konferenz der Siegermächte abgehalten wurde. 1952 an das Land Brandenburg übergeben, wurde das Gebäude zu einer Gedenkstätte, bevor es ab 1960 zusätzlich als Hotel genutzt wurde. Gemeinsam mit den Schlössern und Parks von Potsdam-Sanssouci und Berlin zählt das Schloss Cecilienhof seit 1990 zum UNESCO-Welterbe.

Im Rahmen des Sonderinvestitions-programms des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg wurden die Gebäudehülle und die Gedenkstättenräume nach fast hundert Jahren Nutzung von 2013 bis 2018 denkmalgerecht saniert. Die Instandsetzung der schadhaften Bausubstanz sollte vorrangig unter Verwendung originaler oder originalgetreuer Ersatzmaterialien erfolgen. Jahrelanger Einsatz von Holz- und Flammschutzmitteln hatte einen ausgeprägten Schadstoffbefall im hölzernen Dachstuhl herbeigeführt, zudem war eine erhebliche Holzkorrosion („Mazeration“) festzustellen, begünstigt unter anderem durch die stark schwankende Luftfeuchtigkeit, die mit der landschaftlich reizvollen Lage an der Potsdamer Seenlandschaft einhergeht. Der angegriffene Dachstuhl gefährdete neben dem gesamten Dachtragwerk in Folge auch die Innenräume mit musealer Nutzung, die bereits restauriert worden waren.

Die bei laufendem Betrieb erfolgte Sanierung erforderte besondere organisatorische Vorkehrungen. Hierfür gelang eine enge Abstimmung zwischen den einzelnen Fachabteilungen der SPSG, dem BLDAM, den beteiligten Fachbehörden der Landeshauptstadt Potsdam, den Planern sowie den ausführenden Gewerken. Denkmalpflegerisches Ziel war es, das von Schultze-Naumburg gewünschte äußere Erscheinungsbild zu bewahren und den von ihm bewusst eingeplanten Alterungsprozess sichtbar zu lassen. Nach umfangreichen und analytischen Untersuchungen der Dachkonstruktion wurde der schadstoffbelastete Dachstuhl dekontaminiert. Dafür musste die komplette 6.750 m² messende Ziegeldeckung inklusive der Dachlattung rückgebaut werden. Um den Verlust der bauzeitlichen Ziegel so gering wie möglich zu halten – auch im Sinne einer wirtschaftlichen Sanierungskonzeption –, wurden die über 360.000 Dachziegel abgenommen, gereinigt, dokumentiert und zwischen wiederverwendbaren Ziegeln und Bruchmaterial differenziert. Nach der Entfernung des Schadstoffes und der Reinigung der bauzeitlichen Ziegel wurde das Dach zu etwa einem Drittel mit nachgefertigten Flachbiberschwanzziegeln ergänzt und neu mit Kalkmörtel gedeckt. Hierdurch gelang es, eine farblich harmonische Dachfläche zu erzeugen. Um die Qualität des Ergänzungsmaterials sicherzustellen, wurde seine Reproduktion in einem europaweiten Leistungswettbewerb ausgelobt. Dank der Dämmung der obersten Geschossdecke konnte der Energieverlust des Hauses zudem erheblich gesenkt werden.

Zur äußeren Sanierung der Fassade, der Holz- und Stahlfenster sowie der Holztüren wurden die bauzeitlichen Materialien runderneuert bzw. durch Nachbauten ergänzt. Schäden am Eichenfachwerk und den Kalkputzen wurden behoben und egalisierende Fassungen aufgetragen. Alle Natursteinoberflächen wurden schonend gereinigt, bestehende Schäden wurden mit Originalmaterial ausgebessert. Die Innenraumsanierung ermöglichte die Eröffnung eines bislang nicht museal-präsentierten Gästeappartements, gleichzeitig wurde die Lichtkonzeption der Räume durch eine Neugestaltung modernisiert. Darüber hinaus erhielt das Schloss mit einer Erneuerung der Gebäudetechnik optimierte Heizungs-, Sanitär- und Elektroanlagen sowie eine neue Brandmeldeanlage.

Durch den behutsamen Rückbau von baulichen Veränderungen und die Instandsetzung der schadhaften Bausubstanz konnte das authentische Erscheinungsbild unter Erhalt der Spuren aus hundert Jahren wechselvoller Geschichte, Nutzung und Bewitterung für die Zukunft bewahrt und für den Besucher erfahrbar werden. Gleichzeitig gelang es, die zuvor hohen finanziellen Aufwendungen für den Bauunterhalt der Liegenschaft erheblich zu senken. Die denkmalgerechte Sanierung des Schlosses Cecilienhof stellt unter technischen und ökonomischen Gesichtspunkten ein Vorbild dar für Objekte gleicher denkmalpflegerischer und ästhetischer Bedeutung.