Studentendorf Schlachtensee

Architekt H. Fehling, D. Gogel, P. Pfankuch
Standort Wasgenstraße 75, 14129 Berlin
Erbaut 1957 - 59
Bauherr Studentendorf Schlachtensee eG
Nutzer Studierende der Hochschulen in Berlin und Potsdam
Bauzeit 2012 - 18
Bruttogeschossfläche 7.775 m²
Auszeichnungen Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege 2017 (2. Preis)

Das Studentendorf Schlachtensee entstand in den Jahren 1957-59 im Rahmen des amerikanischen „Re-Education“-Programms für den Wiederaufbau der Stadt Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Zur Überwindung des Totalitarismus sollte sich hier das „Ideal eines demokratischen Miteinanders“ sowohl in der Form des Zusammenlebens als auch in der Architektur der Wohnhäuser und städtebaulichen Struktur des Ensembles widerspiegeln. Es gilt als eine der ersten Wohncampus-Anlagen und stellt ein bedeutendes Beispiel der Nachkriegsmoderne dar.

In diesem Sinne gruppierten die Architekten Hermann Fehling, Daniel Gogel und Peter Pfankuch mehrgeschossig gestaffelte Wohnhäuser um ein Zentrum mit „Dorfplatz“, Rathaus, Bibliothek und Gemeinschaftseinrichtungen. Auch in den Häusern selbst fand die Idee eines sozialen Zentrums der Wohngemeinschaft mit großzügigen Gemeinschaftsflächen, offenen Treppenhäusern und Wohnküchen ihre Umsetzung, wohingegen die privaten Wohnräume klein gehalten wurden. Fehlende Investitionen zur Instandhaltung und daraus resultierender Leerstand stellten das Studentendorf in den 1980er Jahren jedoch infrage, so dass eine Diskussion um den Abriss des Wohncampus entstand, die erst 2001 durch die Initiative der Bewohner sowie die Gründung einer Genossenschaft beendet werden konnte. 1991 wurde das Studentendorf in der Bau- und Gartendenkmalliste Berlins verzeichnet. 2006 wurde es in den Rang eines Nationalen Kulturdenkmals erhoben und ist, einschließlich der inneren Strukturen und dem Mobiliar, beinahe vollständig erhalten.

Seit 2006 findet eine behutsame Modernisierung der bestehenden Substanz des Studentendorfs unter Berücksichtigung der historischen Architektursprache statt; bis 2018 konnte bereits ein großer Teil der Gebäude erneuert werden. Um die Wohnhäuser an zeitgemäße Bedürfnisse an Wohnraum anzupassen, wurden die Studenten-„Buden“ in Wohngruppen unterschiedlicher Größe umgebaut. Dabei blieben die originalen Einbauten erhalten. Die Innenräume erhielten wieder ihre originale Farbigkeit, die den engen Bezug von Innen- und Außenraum verdeutlicht. Zudem erfolgte eine hygienische, brandschutztechnische und energetische Sanierung. Dank einer filigranen Dämmung der Gebäudehülle und dem Einsatz von schmalen, thermisch getrennten Stahlfensterprofilen konnten das historische Erscheinungsbild der Wohnhäuser erhalten und gleichzeitig der Energiebedarf um 60 Prozent reduziert werden. Eine dezentrale Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung sorgt dafür, dass einzelne Bereiche nun individuell regelbar sind.

Die denkmalgerechte Sanierung und Modernisierung der Häuser wie auch die Revitalisierung der offenen Gemeinschaftsbereiche verhelfen dem Studentendorf zu neuer Attraktivität: Zukünftig soll es wieder 900 Studenten Wohnraum bieten. Mit der Sicherung des Denkmals bleibt ein wichtiger Beitrag sowohl demokratischen Bauens als auch organischer Architektur der Nachkriegsmoderne erhalten.